Hauptreportage |
Unkontaktierte Stämme: nach Wahl oder durch Zufall? |
| Von: Eduardo Rodriguez |
© Foto: Fiona Watson / Survival Eingeborene Menschen in einem abgelegenen Gebiet des Amazonas Regenwaldes in der Nähe der Peruanisch-Brasilianischen Grenze wurden im Mai 2008 zum ersten Mal durch Gleison Miranda, die in einem kleinen Flugzeug zusammen mit Jose Carlos dos Reis Meirelles über sie hinweg flog, fotografiert. Mit greller roter Farbe bemalt erschienen die Stammesleute sichtlich aufgebracht. Wahrscheinlich dachten sie, dass das Flugzeug ein riesiger Vogel sei und fürchteten um ihre Sicherheit und bewaffneten sich sogleich mit Pfeil und Bogen, ihrer tödlichsten Waffe. Außer ein paar Anthropologen wusste die Öffentlichkeit nichts von ihrer Existenz, weil sie von der Außenwelt abgeschottet leben. Reis Meirelles, ein Anthropologe der FUNAI (Ministerium für Eingeborenen Angelegenheiten der Brasilianischen Regierung), ließ Miranda die Fotos machen, „um ihre Unterkünfte zu zeigen und um zu beweisen, dass sie existieren.” Er wollte ein monumentales Verbrechen gegen den Stamm, die Natur und die Welt herausstellen: jedes Jahr werden 28.000 Hektar des Amazonaswaldes durch „zivilisierte” Entwickler zerstört.
© Foto: Gleison Miranda / FUNAI „Unkontaktierte Stämme” sind Menschenansammlungen, die entweder nach Wahl oder durch Zufall ohne Kontakt oder signifikante Interaktion mit der modernen Zivilisation leben, erklärt Beatriz Huertas, eine Anthropologin der CIPIACI (Vereinigung zum Schutz von unkontaktierten Stämmen). Jonathan Mazower, ein Anthropologe von „Survival International”, einer passionierten Gruppe, die Stammesleute weltweit unterstützt, glaubt, dass es ungefähr 100 unkontaktierte Stämme gibt von denen sie wissen. Obwohl solche Stämme weltweit existieren, gibt es die meisten im Amazonas Regenwald, insbesondere in Brasilien. Den Bildern nach urteilend, stimmt Mazower zu, dass die Menschen wahrscheinlich verängstigt waren und wollten, dass wir verschwinden und sie in Ruhe lassen.
© Foto: Gleison Miranda / FUNAI Eine Geschichte über Gewalt, Missbrauch, Sklaverei, Tod und Völkermord hat diesen Stämmen gezeigt wie grausam die Außenwelt sein kann. Mazower erklärt: „Die meisten der Menschen, insbesondere die in Südamerika, sind Abkömmlinge von Indianerstämmen, die vor hundert oder mehr Jahren Massaker und Gräueltaten miterlebt haben. Dies geschah vornehmlich im Zusammenhang mit dem ‚Gummiboom’ im Amazonas. Europäer errichteten Fabriken und beuteten die Indianer durch Sklavenarbeit aus, um Gummi zu sammeln. Die Stämme waren zerstört und ca. 90 Prozent ihrer Bewohner wurden durch die Gewalt und mitgebrachte Krankheiten getötet. Viele der Indianer überlebten nur, indem sie sich in die abgelegensten Gebiete des Dschungels zurückzogen – in die Quellgebiete von Flüssen. Die heutigen unkontaktierten Stämme stammen häufig von diesen Überlebenden ab. Daher sagt ihnen ihre gemeinsame Erinnerung, dass die Außenwelt gefährlich ist und gemieden werden sollte.” „Das Massaker des 11. Breitengrades”, ein Vorfall in Brasilien im Jahre 1963, wird von „Survival International” als wahrlich unpopulärer Fall von Völkermord am Cinta Larga (dt.: lange Gürtel) Stamm berichtet. Aufzeichnungen zufolge mietete Antonio Mascarenhas Junqueira, der Besitzer der Brasilianischen Gummifabrik Arruda, Junqueira & Co., ein kleines Flugzeug aus dem er Dynamitstangen direkt auf das Cinta Larga Dorf herab warf. Weitere Mörder folgten auf dem Fußweg, um die schreckliche Tat zu vollenden. Als sie eine Frau beim Stillen fanden, schossen sie dem Baby den Kopf ab und hingen die Mutter kopfüber auf und zerteilten sie in zwei Hälften. Mascarenhas Junqueira plante das Massaker, weil die Cinta Larga Indianer angeblich bei seinen kommerziellen Machenschaften interferierten. Vor einer der weltweit grausamsten Angriffe auf eingeborene Menschen, erklärte der Besitzer der Gummifabrik folgendes: „Diese Indianer sind Parasiten und sie sind beschämend. Es ist Zeit sie loszuwerden; es ist Zeit diese Pest zu eliminieren....”
© Foto: Survival Aufgrund von Erfahrungen wie diesen ist es klar warum viele unkontaktierte Stämme eine gemeinsame Erinnerung besitzen, die von Abscheu gegen die Außenwelt geprägt ist. Tatsächlich hat Huertas zuvor schon unkontaktierte Stämme befragt warum sie so ängstlich sind und erfuhr dadurch, dass ihre Vorfahren die schrecklichen Erlebnisse mit jüngeren Generationen geteilt haben. Stämme in Peru machten ähnliche Erfahrungen während des Gummibooms. Huertas erklärt: „Barbarische Gummiarbeiter fielen in die Gebiete der Eingeborenen an den Flussufern ein und töteten hunderte von ihnen. Nach dieser Attacke entschlossen sich die Peruanischen Stämme in Isolation zu leben. Sie leben nicht in der Steinzeit; sie wissen wie die Außenwelt ist. Sie sind erfahren durch die Tragödien, die der Kontakt mit der ‚Zivilisation’ mit sich bringt.” Stämme wurden auch durch Vorfälle zum Opfer, die nichts mit dem Gummiboom zu tun hatten. Zum Beispiel litt der Ayoreos Stamm durch die Diktatur in Paraguay von 1942 bis 1989. Augusto Fogel, Vorsitzender des INDI (Institut für Eingeborene), erläutert einen solchen Vorfall: „Eines Tages kam ein Soldat mit dem Kopf eines Ayoreos in der Hand aus dem Wald zurück. Nach dieser grauenvollen Tat baten Aktivisten die Regierung nach Gesetzen, die die eingeborenen Menschen schützen würden. Alfredo Stroessner, der damalige Diktator Paraguays, brachte Schilder im Wald an, die lauteten ‚Es ist nicht erlaubt Ayoreos zu jagen.’ Es war wie zu sagen ‚Es ist nicht erlaubt Tiger zu jagen.’ Dies brachte das Fass zum Überlaufen.”
© Foto: Survival Die desaströsen Erfahrungen der Stämme durch „zivilisierte” Außenstehende verweisen nicht nur auf solche im Zusammenhang mit wirtschaftlichen oder politischen Motiven. Christlich religiöser Eifer war und ist immer noch eine zerstörerische Kraft für viele von Südamerikas unkontaktierten und abgelegenen Stämmen. Vor 24 Jahren noch schickte eine U.S. Fundamentalistische Kirche Missionare in den südlichen Teil der Chaco Region im nördlichen Paraguay, wo sie die ruhige und jahrhunderte alte Lebensweise der Ayoreos zunichte machten. Die Missionare dachten, dass die Ayoreos „zivilisiert” werden müssten. Fogel führt aus, dass „... durch den Kontakt viele der Ayoreos aufgrund von Krankheiten starben und andere gar nicht länger leben wollten. Es war eine schreckliche Erfahrung, die die Regierung von Paraguay dazu veranlasste, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.” Leider passieren solche Zwischenfälle heute immer noch. Ein Lebenssystem Mazower fasst den Alltag dieser abgelegenen Stämme zusammen: „Gewöhnlich sind Eingeborene Jäger und Sammler. Außerdem haben sie wahrscheinlich kleine Gärten außerhalb ihres Dorfes, in denen sie Gemüse und Früchte anbauen. Sie fischen möglicherweise auch. Also haben sie eine sehr gesunde Ernährung. Solange ihr Gebiet sicher ist, können sie sehr gut leben.” Huertas fügt hinzu: „Sie ernähren sich durch wilde Pflanzen und ‚Buschfleisch’ wie Affen, Hirsche, Tapire, Schildkröten, Fische, Bananen und Nüsse. Da sie keine Kanus nutzen leben sie in der Regenzeit von den Flüssen entfernt. Während der Trockenzeit leben sie jedoch am Ufer, wo sie fischen und nach Schildkröteneiern suchen, die eine wichtige Proteinquelle darstellen. Aufgrund ihrer saisonalen Lebensweise, leben sie meist in nomadischen Gruppen oder Familien. Doch wegen ihrer Isolation und ihrem Migrationsverhalten ist es schwierig die Anzahl jeder Gruppe zu überwachen. Huertas stellt klar: „Wir wissen nicht wie viele Menschen zu jedem Stamm gehören; es könnten 20 oder aber auch 2000 sein. Aufgrund von Todesfällen wechselt zudem ihre Zahl kontinuierlich.” Diese Stämme leben seit hunderten bis tausenden von Jahren in den Wäldern und sind davon abhängig, ob sie kontaktiert wurden oder nicht. „Alle Stämme haben ihre eigene Sprache, aber je nachdem wie viel sie kontaktiert wurden, sprechen sie auch Portugiesisch, Guarani oder Spanisch”, erklärt Mazower. Wegen Abholzung und dem Verzehr von Buschfleisch waren einige Leute kritisch eingestellt gegenüber der Behandlung der Umwelt durch die Eingeborenen. Jedoch glauben andere, dass sie wichtiges Wissen und Traditionen angesammelt haben, die es ihnen erlauben mit der Natur im Einklang zu leben, anstatt sie zu zerstören. Huertas sagt, dass „unkontaktierte Stämme ihr Wissen in einer Art beibehalten und weitergeben wie niemand anderes – Wissen über den Schutz von Ressourcen und Natur.” Mazower fügt allerdings hinzu: „Es besteht auch eine kleine Gefahr darin, wenn Außenstehende von den Indianern schwärmen und ihren Wert nur darin sehen, dass sie die Umwelt besser schützen als alle anderen. Folglich denken andere, dass die Stämme ein friedliches Leben führen....” Obwohl die meisten Menschen sich vorstellen, dass die Menschen glücklich in einem ruhigen Wald leben, ist der „friedliche Wald” für die meisten Eingeborenen aufgrund von zunehmenden Bedrohungen, insbesondere in den letzten paar Jahrzehnten, nunmehr nur eine entfernte Erinnerung.
© Foto: Joaó Ripper/Survival „Zivilisierte” Gruppen versuchen seit Jahrzehnten Kontakt mit entlegenen Stämmen aufzunehmen. Holzfäller, Viehzüchter, Ölfirmen und manchmal sogar Regierungen überfallen ihr Gebiet primär für Land und Ressourcen. Mazower erklärt, dass Stämme in der Regel kontaktiert werden, weil man sich für ihr Land und ihre Ressourcen interessiert. Folglich werden die Eingeborenen von ihrem Land weg gezwungen und laufen immer tiefer in den Wald hinein, aber jetzt gibt es keinen Ausweg mehr. Fogel sagt, dass Viehzüchter und Holzfäller für die Gefährdung der Lebensräume der Eingeborenen verantwortlich sind. Mazower führt aus: „Es ist in der Welt sehr ähnlich. Zum Beispiel gibt es in Paraguay auch Probleme mit Viehzüchtern – die das Land der Indianer aufkaufen. Sie säubern die Wälder, indem sie sie roden. Aufgrund der Einfälle großer Bulldozer, laufen die Indianer immer und verlassen ihr Land.” Huertas stimmt zu: „Die Verbreitung der dominanten Gesellschaft unter ihnen stellt die größte Bedrohung für die unkontaktierten Stämme dar. Sie versuchen ihr Land zu beschützen, weil es die Quelle ihrer Nahrung ist und alles, von dem sie leben.” Mazower glaubt jedoch, dass Krankheiten die größte Bedrohung darstellen. Er fügt hinzu: „Die ernsthafteste Bedrohung für die Indianer ist die Einführung westlicher Krankheiten, die sie zuvor noch nie erlebt haben und folglich keine Antikörper gegen sie besitzen. Daher kann dies oft fatal für gesamte Stämme enden.” Huertas sagt, dass sogar eine einfache Erkältung alle Stammesmitglieder töten kann und keiner bereit ist, die Situation zu konfrontieren. Tod durch „Fortschritt”Im Jahr 2007 veröffentlichte „Survival International” einen Bericht mit dem Namen „Progress can kill” (dt.: Fortschritt kann töten), der diskutiert, wie auferlegter Fortschritt unkontaktierte Stämme zerstört hat. Der Bericht beginnt mit einem Zitat eines Malaiischen Stammesmitglieds: „Außenstehende, die hier herkommen, behaupten immer, dass sie Fortschritt bringen. Doch alles was sie bringen sind leere Versprechungen. Um was wir wirklich kämpfen ist unser Land. Vor allem benötigen wir das Land.” „Survival International” zitiert, dass 90 Prozent der Stämme sowohl in Nord- als auch in Südamerika hauptsächlich durch Krankheiten nach Kontakt mit Europäern gestorben sind. Die Sterberaten nach Außenkontakt belegen den Schaden für jeden Stamm. Beispielsweise wurde der „Great Andamanese”, ein zuvor unkontaktierter Stamm, der für ca. 60.000 Jahre auf seinem eigenen Land lebte, von den Briten in ein neues „Zuhause” umgesiedelt, um ihnen ein „besseres Leben” zu ermöglichen. Als direkte Konsequenz starben 99 Prozent seiner Bewohner, was ihre Zahl von 5.000 auf heute lediglich noch 53 reduzierte. Von 150 Babys starben alle vor ihrem 3. Geburtstag. Tatsächlich meint „Survival International”, dass Eingeborene wie Aborigines auf ihrem eigenen Land 10 Jahre länger leben. Außerdem sind viele Stammesmitglieder physisch, mental und / oder psychologisch auf einen abrupten Transfer in die westliche Gesellschaft nicht vorbereitet. Huertas erklärt: „Demoralisierung ist ein sehr häufiges Phänomen als Folge von Kontakt zu diesen Stämmen. Kontakt ist für sie ein Schock, weil sie die Außenwelt nicht verarbeiten können. Es ist sehr traumatisch für sie zu sehen, wie viele ihrer Gruppenmitglieder sterben; dies führt immer zum Gefühl von Demoralisierung und tiefer Depression. Jedoch spricht über den psychologischen Effekt nie irgendjemand.” Zum Beispiel begingen zwischen 1985 und 2000 über 300 Guarani-Kaiowa Selbstmord, wobei der Jüngste lediglich 9 Jahre alt war, berichtet „Survival International.” Geschlechtskrankheiten sind ebenfalls eine oft unerwähnte aber doch sehr reale Bedrohung für abgelegene Stämme. Nach Kontakt leiden die meisten Stämme an solchen Krankheiten. Die Versuche der Brasilianischen Regierung im Jahre 1971, „friedlichen Kontakt” mit dem Parakana Stamm herzustellen führte dazu, dass diese isolierten Indianer mit Gonorrhö angesteckt wurden. In diesem Beispiel brachten Außenstehende Gonorrhö zu den Parakana, die zuvor noch nie an einer Geschlechtskrankheit gelitten hatten und dabei 35 Frauen infiziert wurden. Zudem wurden viele Frauen sexuell missbraucht und prostituiert, wodurch manche ihrer Kinder folglich blind geboren wurden, bekräftigt „Survival International.”
© Foto: Fiona Watson / Survival Wenn Eingeborene kontaktiert werden und ihr Land verlieren, können Ernährungsänderungen auch lebensbedrohend wirken. Ein lebhaftes Beispiel ist durch den Guarani Stamm gegeben, der der Gründung Argentiniens, Brasiliens und Paraguays vorausgeht; sie verlieren weiterhin 10 Prozent ihres Landes pro Jahr. In 2006 starben innerhalb von 3 Monaten 20 Guarani Kinder den Hungertod. Doch unzureichende Nahrung ist nicht die einzige nahrungsverwandte Gesundheitsauswirkung. „Survival International” zufolge leiden 64 Prozent der städtischen Aborigines in Australien an Fettleibigkeit. Nachdem sie an eine andere Lebensweise und Ernährung gewohnt waren, fordert der ihnen aufgezwungene „zivilisierte” Lifestyle nun weniger Energieaufwand in Kombination mit einer ungesunden Ernährung und führt daher zu solch westlichen Krankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes, hohem Blutdruck und Herzkrankheiten. Wo ist das Gesetz?Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 von den Vereinten Nationen (UN) gebilligt wurde, besagt in Artikel 1 „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren ....” Artikel 2 fährt fort „Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion....”
© Foto: Fiona Watson / Survival Außerdem bekräftigt die UN Menschenrechtserklärung für Indigene Völker, dass eingeborene Völker gleich an Würde und Rechten zu anderen Völkern sind, wobei das Recht aller Völker anerkannt wird, anders zu sein, sich selbst als anders anzusehen, und so respektiert zu werden....” Artikel 10 fügt hinzu, dass eingeborene Völker nicht gewaltsam von ihrem Land und ihrem Gebiet vertrieben werden dürfen. Keine Umsiedlung soll ohne die freie Einverständniserklärung der betroffenen eingeborenen Völker stattfinden und nur nach Einverständnis über gerechte Entschädigung sowie, wenn möglich, einer Rückkehroption. Beide dieser internationalen Gesetze erklären genug, um Stammesleute zu schützen; jedoch müssen die Gesetze anerkannt und forciert werden, um effektiv zu sein. Mazower fasst das Problem zusammen: „Es gibt eine UN Menschenrechtserklärung für Indigene Völker, aber eine UN Erklärung ist nichts was Rechtskraft besitzt. Es ist lediglich eine generelle Aussage der Generalversammlung. Sie hat keine rechtliche Macht.”
© Foto: Survival Das einzige internationale Gesetz, dass speziell für Stammesleute existiert, wurde von der „International Labour Organization (ILO)” (dt.: Internationale Arbeitsorganisation) geschrieben, einer globalen Vereinigung, die 1919 gegründet wurde, um weltweit soziale Gerechtigkeit voranzutreiben und um Menschen- und Arbeitsrechte anzuerkennen. ILO 169 (Rechte für indigene Völker) wurde ins Leben gerufen, um die 350 Millionen eingeborenen Menschen vor Marginalisierung in fast jedem Aspekt des Alltags zu schützen. Bis jetzt haben 20 Länder diesen Internationalen Vertrag ratifiziert. Seit Anbeginn der Zeit leben eingeborene Völker mit der Natur und in der Natur, während andere Nationen sie ausbeuten und missbrauchen. Zum Beispiel haben viele der eingeborenen Völker schon immer auf das gebaut, was heute als „nachhaltige Forstwirtschaft” bekannt ist. Dies war zum Überleben und für ihren Unterhalt wichtig, während Außenstehende für die Massenvernichtung von Wäldern, meist zwecks wirtschaftlichen Profits, verantwortlich waren und immer noch sind. Diese ungesättigte Gier und unkontrollierte Nutzung der weltweiten natürlichen Ressourcen fügt allem Leben auf der Erde bereits jetzt Schaden zu. Unkontaktierte Stämme sind Kollateralschaden auf diesem Weg der Zerstörung. Zusammen mit Intoleranz, Respektlosigkeit und sozialer Ungerechtigkeit stellen unkontaktierte und abgelegene Stämme vielleicht genau das weltweit beste Beispiel für die Unmenschlichkeit der Menschheit dar – eine entsetzliche Fortsetzung der Indianischen Historie Nordamerikas. Leider haben Stämme nicht die Macht, um diese „zivilisierten” Menschen zur Verantwortung zu ziehen. Und zu oft interessiert sich der Rest der Welt schlichtweg nicht dafür. |
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