Die Rettung des ländlichen Amerika: Der Kampf gegen die NIET Korridore |
Teil Zwei |
© Bill Simone Als sie entzückt über ihre 60 „Acre” (Mengeneinheit, die ˜0,4 Hektar entspricht) große Farm mit ihren Hügeln und grünem Weideland blickte, erklärte Luciana Duvall wie sie sich gefühlt hatte, als sie von Argentinien nach Virginia gezogen war: „Als ich am ersten Tag diesen Hügel hinaufstieg, setzte ich mich hier hin und der Wind war absolut herrlich und es fühlte sich an wie die letzte Station vor dem Himmel. Es war mein erster Tag in Virginia”, sagte sie. Als sie 12 Jahre später an diesen Moment zurückdachte, fuhr sie freudig fort: „Wenn man es sieht, dann versteht man warum.” An einem heißen Tag Mitte Juli 2007, unter einem Zeltdach sitzend, dachte Frau Duvall zurück: „Wissen Sie, es ist schon etwas seltsam, dass wir heute eine Feier für die Leute aus Virginia geben, um dieses Land zu beschützen. Irgendwie ist es manchmal so, dass du selbst gewisse Dinge aussuchst und umgekehrt, dass gewisse Dinge dich aussuchen. Ich glaube, dass dieser Ort in einer Weise mich ausgesucht hat.” Die Feier, die sie und ihr Mann, Schauspieler Robert Duvall, auf ihrer nördlichen Virginia Farm für mehr als 100 Mitglieder ihrer Gemeinde gaben, war ein „No-power” Picknick mit dem Ziel „Dominion Power” zu bekämpfen.
© Bill Simone Die Duvalls sind ein sehr Gemeinde– und sozial orientiertes Paar und deswegen haben sie ihr Zuhause für andere Zwecke geöffnet. Der Schauspieler meint: „Wir haben so etwas bereits zuvor für einen wohltätigen Zweck gemacht, aber das hier ist sogar noch größer. Meine Frau hat Rindfleisch für die Fajitas eingekauft; wir haben Zelte aufgebaut und alles andere auch. Ich denke es wird nett sein für die Gemeinde, für die jungen Leute und die Kinder. Ich glaube es wird herzlich werden; es ist eben eine Gemeindefeier.” „Es ist großartig, dass Bobby und ich etwas zum Kampf gegen die Leute, die so unerhört sind, beitragen können”, sagte Duvalls Frau. Der Kampf, den Frau Duvall anspricht, wird von hunderttausenden ländlichen Amerikanern gegen die „National Interest Electric Transmission (NIET)” Korridore geführt. Dieser Kampf ist nicht nur gegen die Zustimmung des Energieministeriums für diese „Korridore”, sondern für die Duvalls und ihre Gemeinde im Speziellen gegen „Dominion Virginia Power” und „Allegheny Power”. Diese beiden Energieunternehmen arbeiten fieberhaft daran, von den öffentlichen Servicekommissionen die Genehmigung für den Bau einer 500-kV Hochspannungsleitung von Südwest Pennsylvania über West Virginia bis in den Norden von Virginia zu bekommen. Diese „Trans-Allegheny Interstate Line (TrAIL)” wird alles auf ihrem 60 m breiten und 384 km langen Weg abholzen und 54 m-hohe verbundene Türme zurücklassen, die durch veraltete kohlegefeuerte Kraftwerke (der Hauptgrund für Treibhausgase) Hochspannung erzeugen. Dieser Pfad verläuft rücksichtslos durch einige von Amerikas heiligsten und begehrtesten Gebiete – durch Wälder, Seen, Flüsse, Quellen, staatliche und bundeseigene Umweltschutzgebiete, Nationalwälder, staatliche Parks, Wasser– und Tierschutzgebiete, historische Orte und tausende von Häusern von Landbesitzern, sowie Farmen, die schon seit Amerikas Anfangstagen in Familienbesitz und –Betrieb waren.
© Bill Simone Und in diesem Prozess werden das Land und das Leben von jedem unumkehrbar zerstört, indem ihr Besitz enteignet wird zum Wohle von „Dominion Virginia Power” und „Allgeheny Power”. Ironischerweise werden die ländlichen Bewohner zweimal zum Opfer dieser Energiefirmen: zum einen wenn ihre Häuser und ihr Land beschlagnahmt werden und zweitens wenn sie 100% dieses $1 Milliarde Konstruktionsprojekts via höheren Stromraten bezahlen müssen. Dank dem „Energy Policy Act of 2005 (EPACT 2005)” aus dem Kongress und der „Federal Energy Regulatory Commission (FERC)” müssen die Firmen nicht mal einen Cent in dieses firmeneigene Konstruktionsprojekt investieren, obwohl 100% der Gewinne zu ihnen zurückfließen. Die beiden Firmen müssen lediglich Sektion 1221 des EPACT 2005 und das ländliche Amerika ausnutzen. Diese Kombination wird von vielen als Gier und totale Missachtung der Erde und seiner Bewohner angesehen. „Wir versuchen die ganze Sache zu durchkreuzen und „Dominion Power” zu besiegen – um das Aufstellen dieser Türme zu verhindern, um zu verhindern, dass sie das geheiligte Land betreten und um sicherzustellen, dass sie das Land anderer Leute in Ruhe lassen. Die Leute sind dagegen, aber ich weiß nicht wie effektiv wir sind. Diese Energiefirmen sind recht mächtig; ich glaube sie haben beide politischen Parteien bestochen. Ich nenne es „rechten Sozialismus”, falls es das gibt – diese Sache mit der Enteignung – Kapitalismus, der das Eigentum anderer übernimmt. Wir haben uns Anfang 2007 mit einem der Topleute bei den Energiefirmen getroffen und es schien als wären unsere Worte auf taube Ohren getroffen. Die waren überhaupt nicht bereit irgendetwas zu unternehmen, um die Situation zu korrigieren”, sagte Duvall emotional. „Vor einiger Zeit meinte jemand, dass sie auch Stromleitungen im Staat New York anbringen wollen und Senatorin Hillary Clinton hat dies verflucht. Also muss es auch Wege geben, wie wir es hier in Virginia lösen können.”
© Bill Simone Wie viele Besitzer von ländlichem Eigentum, sind auch Robert und Luciana Duvall an ihr Land „geheiratet” und sind über die möglichen Folgen für ihre Farm sehr besorgt. Aber genauso groß ist ihre Sorge um andere, die es nicht so gut haben wie sie. Sie sind fest davon überzeugt, dass das Land für zukünftige Generationen intakt bleiben muss. „Aus meiner Sicht”, sagte Robert Duvall, „habe ich eine wunderbare Farm und habe sie vor Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt – die ganze Farm ist unter Naturschutz, um das Land zu schützen. Ich fühle mich dem Land sehr verbunden, aber ich bin in einer anderen Situation als andere. Ich bin so einer, der aufgrund seines Hintergrunds, seiner Vergangenheit und seiner Arbeit jederzeit umziehen könnte, falls sie die Türme aufstellen würden. Ich könnte einfach weggehen, aber viele können das eben nicht. Ich bin dem Land nur insoweit verbunden, als dass ich es unter Naturschutz stellen ließ. Ich liebe mein Land, aber wenn ich es verkaufen müsste, würde ich es tun, aber nur wenn es dann komplett geschützt werden würde. Das Land, das ich besitze und auf dem ich wohne, sollte so wie es ist erhalten bleiben; das ist die Voraussetzung – das Land zu schützen, das wir lieben und mit dem wir „verheiratet” sind.” Die Linie scheint zwischen denen zu sein, die ihr Land lieben und die reiche Geschichte Amerikas schätzen und denen, die dies nicht tun. Frau Duvall sagte: „Ich habe erfahren, dass der Designer Ralph Lauren $13 Millionen an den „National Trust for Historic Preservation” gespendet hat. Das heißt, es gibt entweder Leute, die Millionen ausgeben, um die Geschichte ihres Landes wiederherzustellen oder solche, die es einfach überhaupt nicht interessiert.” Sie meinte, dass es damals „vor seiner Zeit war”, wenn die Leute Stromleitungen aufstellten. Es stellte einen Weg dar, „um den Leuten Wohlstand zu bringen.” Aber heute glaubt sie, dass es „vor unserer Zeit wäre”, wenn wir Wege finden würden, um diese veralteten Methoden zu umgehen und umweltfreundlichere Alternativen fänden.
© Bill Simone „Auch wenn sie morgen sagen würden, dass globale Erwärmung nicht existiert, müssten wir dennoch das Land beschützen. Es ist egal, ob die nächste Eiszeit ansteht; es ist heute unsere Pflicht dieses Land zu schützen. Wir fliegen auf den Mond und können diese Leitungen dennoch nicht unterirdisch verlegen?” fragte Frau Duvall. Sie fuhr fort, indem sie meinte, dass die Entscheidungsträger von „Dominion Virginia Power” und „Allegheny Power” vielleicht nicht aus Virginia oder einem der anderen betroffenen Staaten kämen, sodass sie die Schönheit des Landes oder das Erbe für die dort einheimischen Menschen nicht schätzten. Dennoch räumte sie ihnen eine Verpflichtung gegenüber dem Land ein. „Wenn man Macht oder Geld hat oder man berühmt ist, hat man noch größere Verantwortung als andere. Ich weiß nicht mit was für einem Glauben sie ihre Kinder anschauen, wenn sie nach Hause gehen. Und ich bin sicher, dass bei denen sehr viel Heuchelei im Spiel ist”, fügte sie hinzu. Frau Duvall ist pro Wohlstand und das Geschäft; tatsächlich nennt sie sich selbst einen „Reagan Republikaner”, aber sie meint auch, dass der Wohlstand nach den Bedürfnissen aller aufgeteilt sein muss und nicht nur unter ein paar wenigen. Außerdem muss dies im Einklang mit der Umwelt passieren. Sie kommentierte: „Man kann nicht immer alles haben was man will.” „Dies ist ein wirklich einzigartiger Teil der Welt und wir wollen ihn beschützen. Wir würden keine Stromleitungen durch den Grand Canyon, den Nil oder die Große Mauer in China haben, also warum sollten wir sie hier haben? Dafür stehe ich und daran glaube ich in diesem Kampf”, erklärte Frau Duvall.
© iStockphoto.com/fotokris Herr Duvall stimmt mit seiner Frau überein. Seine Liebe zu Virginia mag in seiner Kindheit begonnen haben, aber die Schönheit dieses Landes hat ihn als Erwachsenen wieder dorthin zurück gebracht. „Ich habe eine Weile im Loudon Bezirk gewohnt, weil mein Vater von dort kam und mein Bruder aus Virginia kommt. Bevor ich mein Grundstück hier kaufte hatte ich in New York gelebt, verkaufte dann aber mein Apartment, als ich hier herzog. Ich mag Virginia gern, sehr sogar; es ist großartig”, sagte er. „Meine Liebe für Virginia kommt aus der Familie, aber sie kommt auch von der Schönheit Virginias. Und genau hier wollen sie diese Türme durch das wunderschöne Piedmont Gebiet bauen. Sie würden sie nicht im Grand Canyon oder im Yellowstone bauen, glaube ich. Meine Frau kommt aus Argentinien; sie liebt diese Landschaft. Die Leute würden sagen es wäre egoistisch; aber wenn wir umziehen würden, wollten wir trotzdem, dass das Land geschützt würde und in Gottes Namen ohne diese Türme bestünde. Das ist ein persönliches und moralisches Thema.” Duvall fuhr fort: „Aus allen Orten in Amerika – und es gibt einige wunderschöne Orte – entscheiden wir uns für diesen hier. Dies ist unsere erste Wahl. Ich kann überall wohnen bei dem was ich mache, aber ich mag Virginia sehr. Es ist ein wunderschöner Ort. Noch etwas anderes über dieses Gebiet: Wir haben in der Geschichte der Olympischen Spiele nur fünf Goldmedaillen im Reiten für die USA gewonnen und vier von fünf kommen aus der unmittelbaren Umgebung. Es ist definitiv ein Land für Pferde und die Hochspannungsmasten wären für diesen Lebensstil nicht unbedingt vorteilhaft.”
© iStockphoto.com/PockyPocky Die Duvalls arbeiten eng mit dem Piedmont Umweltausschuss und der Gruppe „Virginians for sensible Energy Policies” zusammen, um diesen Lebensstil zu sichern. Frau Duvall sagte, dass die Gruppe eine wunderbare Anzeige in die Richmond Zeitung und andere Zeitungen gestellt hat, die lautet: „Wenn Dominion Virginia Power ein Land wäre, wäre es verschmutzter als die Tschechische Republik.” Sie denkt, dass die Nachricht sehr effektiv war und sie die Menschen über die traditionell verschmutzenden Machenschaften von Dominion aufgeklärt hat. „Ich glaube man muss sie so bekämpfen. Irgendwann wird es abstrakt, weil die Politik, die Lobbyisten und das Geld manchmal die Show schmeißen; aber ich denke, dass die Leute hier sehr stark sind und jeder muss machen was er kann – einen Brief schreiben, eine Beschwerde, eine Email – einfach immer weiter machen. Entweder jetzt oder nie; es gibt keine zweite Runde. Der Piedmont Umweltausschuss und andere Organisationen sind in diesem Kampf sehr optimistisch. Wer wäre das nicht, wenn es um die Verteidigung dieses Landes geht? Aber man weiß nie, weil man seinen Gegner nie unterschätzen sollte”, sagte Frau Duvall. „Das geht schon eine Weile so”, erklärte Duvall. „und ich glaube die Leute wissen nichts davon, weil alle verschiedenen Gruppen sich zusammen tun sollten, um gemeinsam gegen diese Energiefirmen vorzugehen. Ich denke, die Energieunternehmen liegen einfach nur ruhig im Hintergrund und ahnen, dass sie möglicherweise gewinnen werden.” Ob sie für tausend Leute auf ihrem Land ein Picknick machen, nach Washington D.C. fahren, um sich mit den Firmenmanagern zu treffen oder Briefe an die Gouverneure schreiben, Herr und Frau Robert Duvall engagieren sich nicht nur aktiv in diesem Kampf, sondern haben sich auch moralisch dazu verpflichtet, ihn bis zum Ende durchzustehen. Sie sind verantwortungsvolle Nachbarn und Mitglieder ihrer Gemeinde. Ihre Charakterstärke und ihr Wille sich aktiv bei solch wichtigen Angelegenheiten zu engagieren macht sie auch zu großartigen Amerikanern. Sie legen für andere vor und dienen für andere, die nicht so glücklich sind, als Leitmotive, von denen man Kraft schöpft. Man konnte die großen Emotionen und die tiefe Hingabe fühlen, die Frau Duvall für das Land hat, als sie die Diskussion über die NIET Korridore auf einen alten Hickory Baum, der vor ihrem Haus steht, umleitete. Sie verbringt ihre Tage vor dem Computer und sieht durch das Fenster hinaus, um die majestätische Schönheit dieses Baumes zu bewundern. „Ich sorge mich wirklich sehr um meine Bäume, weil ich weiß, dass ich sie nicht ersetzen kann. Es hört sich sehr albern an, aber wir haben sehr alte Bäume – den ältesten Hickory Baum im ganzen Bezirk. Und wir haben auch Buchsbäume, die mehr als 200 Jahre alt sind. Deswegen sorge ich mich so um diese Dinge. Sie haben eine Geschichte und ein Erbe zugleich. Ich werde auf keinen Fall einen Baum so alt und hoch wachsen sehen, nicht mal in 3 Lebzeiten und wenn ich 100 Jahre alt werde.” „Wenn man sie unsere Bäume fällen lässt, dann hat nichts einen Sinn mehr”, sagte Frau Duvall, als sie weiterhin entzückt von der letzten Station vor dem Himmel aus in die Ferne blickte. |
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