Titelthema |
Darlene Ketten, Meerestierforscherin: Aufräumen mit Sonar– und ähnlichen Falschauffassungen |
© Foto: Fiona Watson(whale) Als weltweit führende Expertin für das Gehör der Meerestiere reist Darlene R. Ketten (Ph.D. und Wissenschaftlerin bei der Woods Hole Oceanographic Institution www.whoi.edu) extensiv, um Untersuchungen von gestrandeten Walen in Ländern von Afrika bis Australien durchzuführen. Ihr Expertenwissen wird durchgängig von zahlreichen Behörden, Gremien, Komitees und Beratungen angefordert. Beispiele sind die „NATO Intergovernmental Conference”, das Seminar für Seismische Auswirkungen von der Brasilianischen Regierung und Beratungsgremien des U.S. Repräsentantenhauses und des U.S. Senats. Kettens Gastvorträge und Expertenvorlesungen brachten sie vom Institut für Meeresbiologie der Universität auf Hawaii zum Nationalen Institut für Gesundheit (NIH) an Dänemarks Universität in Odense. Sogar der National Geographic hat für eine seiner ausgestrahlten Sendungen über Wale auf Kettens Expertenmeinung zurückgegriffen.
© Foto: Bill Simone Gemäß ihrer WHOI Biographie ist Ketten „eine Meeresbiologin und Neuroanatomin... deren Arbeit eine Mischung aus moderner biomedizinischer Aufnahme, Forensik und biophysischer Modelle zum Gehör bei Menschen und Meerestieren darstellt. Ihre Forschung konzentriert sich auf zwei Bereiche: Erstens, wie strukturelle Unterschiede beim Gehör von Meeres- bzw. Landtieren mit physischen Unterschieden, Unterkünften und Fressverhalten zusammenhängen und zweitens, wie Elektrodenanbringung und Innenohr-Pathologie das Gehör und die Effektivität von Hörgeräten und Innenohr-Prothesen beeinflussen.” Sie bricht als Pionier Grenzen und überquert wissenschaftliche Besonderheiten zur Besserstellung von Meerestieren und der Menschheit. Durch all diese Erfahrungen ist es nicht verwunderlich, dass Ketten die Person ist, die es gilt, bei Themen rund um Sonarauswirkungen auf das Gehör von Meerestieren, zu konsultieren. Obwohl die U.S. Marine eine klare Perspektive und Verständnis für die Verwendung und die Notwendigkeit von Sonar für ihre Missionen besitzt, gibt Ketten eine wissenschaftliche, objektive und hochspezialisierte Meinung wider im Bezug auf die Auswirkungen auf das Gehör der Meerestiere. Dies ist im Hinblick auf die durch die Medien und Umweltorganisationen verbreiteten Fehlinformationen und Ungenauigkeiten besonders wichtig.
© iStockphoto.com/DavidMSchrader Der Durchschnittsmensch mag denken, dass es langweilig sein könnte, einer Doktorin in Neuro-Ethologie und experimentellen Radiologie der John Hopkins Universität zuzuhören. Dennoch bietet Kettens Gebrauch von alltäglichem Vokabular in Kombination mit ihrer ansteckenden Persönlichkeit und ihrem Sinn für Humor eine informative Erfahrung, die zugleich unterhaltsam und aufschlussreich ist. Außerdem ist sie erfrischend unverblümt, unpolitisch, ausgesprochen ehrlich und multi-talentiert. Ketten nahm einen glücklichen Weg in Richtung ihrer jetzigen Karriere als sie an der St. Louis Washington Universität war. Eine Biologie-Vorlesung, die für sie verpflichtend war, öffnete eine faszinierende neue Welt und führte zu einem Doppelabschluss in Biologie und Französisch. Sie hatte sich für Wasserumweltforschung interessiert und war von den Ozeanen zutiefst beeindruckt und neugierig. Da sie jedoch noch nie zuvor einen gesehen hatte, entschied sie sich nach Florida zu ziehen und dort die Florida State Universität zu besuchen. Sie führt aus: „Von dort aus zog ich nach Boston und arbeitete am MIT an Plankton, was zu einem Masterabschluss in Meereskunde führte. Diese Arbeit endete überraschend in einer Veröffentlichung im „Nature”. Für meinen Doktortitel ging ich auf die John Hopkins Universität, um das Delfin-Gehör zu studieren. Ich war durch eine merkwürdige Wende technisch in der medizinischen Fakultät eingeschrieben, wo mein Betreuer, ein Verhaltensökologe und Meerestierbiologe, zusammen mit Parasitologen an tierischen Krankheitsüberträgern arbeitete. Dies wurde dann sogar zum Vorteil, da ich vieles über medizinische Techniken lernte und anwendete, inklusive experimentelle Radiologie. Es war der Traum eines jeden Wissenschaftlers – Zugang zu großartigen Köpfen und Technologie.” Ketten schloss 1984 ihren Doktortitel ab. Positionen für Meereswissenschaftler waren knapp, also entschied sie sich für menschliche Gehörwissenschaft, die sie zurück zum MIT und dann zur Harvard Medical School brachte. Eine Facharztausbildung in Gehörphysiologie führte dazu, dass sie die nächsten 10 Jahre fast ausschließlich an Innenohrimplantationen und mit Implantationspatienten arbeitete. Kettens Erkenntnisse führten zu verbesserter Abbildung ihrer Prothese, sowie zu einem besseren Verständnis wie jeder Patientenerfolg mit dem Gehörverlust und den Implantationspositionen zusammenhing. Ketten merkt an: „Ich bin zur medizinischen Seite und zum menschlichen Gehör übergegangen. Zwei Jahre nach meinem Doktortitel wurde ich Dozent für Otiatrie und Laryngologie in Harvard, wo ich immer noch bestellt bin. Nun ist meine Arbeit wirklich eine Mischung aus beiden Welten, das Gehör von Meerestieren und das der Menschen.” 1992 ging Ketten zurück zu Meerestieren, als ihr erster Antrag durch die ONR („Office of Naval Research”) finanziert wurde. Das war vor den Sonar-Angelegenheiten. Zum Großteil wurde ihre Arbeit einerseits vom NIH finanziert, um Patienten für Innenohrimplantate und Pathologie zu studieren und andererseits vom ONR innerhalb ihres extensiven Programms für Meerestiere. Scheinbar unverwandte Projekte nährten sich gegenseitig und schufen ein Zusammenspiel, das an beiden Enden fruchtete. Ketten erklärte: „Je mehr ich unternahm, um mithilfe von Radiologie das Gehör von Delfinen zu untersuchen, desto mehr lernte ich die Mikroabbildung des menschlichen Gehörs, ihre Pathologie und Implantate zu verbessern. Nach und nach lernte ich einiges über die radiologische Erscheinung von Kopf- und Genicktraumata und Krankheiten, sowie Gehörphysiologie.” Der ungebrochene Wissensdurst der Forscherin auch in verwandten Gebieten führte zu Pathologie Schulungen am AFIP („Armed Forces Institute of Pathology”) und zu Forensik, Neuroradiologie und Tierpathologie Schulungen an der Harvard Medical School. Viel von Kettens Arbeit beinhaltet Autopsien von nicht-menschlichen Lebewesen, über die sie folgendes berichtet: „Nicht sehr überrascht stellt sich für mich dar, dass ein Viertel der gestrandeten Meerestiere, die ich untersucht habe, irgendeine Art von Gehörproblem hatte. Aber deswegen stranden sie nicht unbedingt. Es ist wichtiger zu erkennen, dass nicht jedes Tier, das am Strand endet, die Gehörprobleme durch den Menschen hat. Sie verlieren ihr Gehör aus denselben Gründen wie wir. Es mag mit Geräuschen zu tun haben, aber Gehörverluste werden auch durch Krankheiten, Traumata, Alter und angeborene Zustände hervorgerufen. Das ist Teil des Lebens, wenn man ein Gehör besitzt. Und das ist die Faszination beim Gehör von Meerestieren: Es ist wichtig für ihr Überleben; es funktioniert gut unter Wasser und für manche Spezies in der Luft. Dennoch kann es genauso zerstört werden und altern wie unseres.” Gestrandete Wale und Sonar Sonar gibt es seit ca. 50 Jahren mit seitdem begrenzten Auswirkungen auf Meerestiere. Das erste deutliche Anzeichen für einen kausalen Zusammenhang zwischen Mittelfrequenz-Sonar und Verhaltenswechseln bei Walen wurde 2000 auf den Bahamas bei U.S. Marinesonar-Übungen festgestellt. Schnabelwale, die einzigen Meerestiere, von denen man weiß, dass sie durch Sonar beeinflusst werden, zeigten sich auf einmal am Strand und brachten die Regierung Bahamas dazu, die „National Oceanic and Atmospheric Association (NOAA)” zu kontaktieren. Im Gegenzug kontaktierte die NOAA Dr. Ketten. Und zwar nicht nur wegen ihrer Expertise bei Autopsien für Meerestiere, sondern auch, weil sie eine der wenigen Menschen weltweit war, die überhaupt wissenschaftliche Forschung zum Gehör von Schnabelwalen betrieben hatte.
© Foto: D. Ketten/WHOI Kettens jetzige Rolle besteht darin herauszufinden, warum Sonar sich nur auf Schnabelwale auswirkt. Ketten erklärt: „Offensichtlich wurden die Wale durch die Geräusche und Übungen mit dem Sonar so weit gestört, dass sie am Strand auftauchten. Jedoch ist es nicht das direkte Geräusch, das die Traumata verursachte, die wir bei denjenigen fanden, die am Strand verendeten. Nach Durchsicht der gesamten Dokumente sehen wir jedoch eine Zunahme von gestrandeten Walen seit 1963. Es scheint also einen klaren Zusammenhang zwischen gewissen Sonaraktivitäten und manchen Strandungen zu geben. Übungen wie jene auf den Bahamas und kürzlich bei den Kanarischen Inseln durch die Spanische Marine fanden in Gewässern und nahe Küstenlinien statt, in denen mehr Schnabelwale vorkommen als anderswo. Es könnte am Geräusch liegen oder aber daran, dass die Schiffe die Wale unbewusst „zusammendrängen.” „In den Bahamas hatten wir in der Tat einen sehr schönen Kontrollfall, der uns zeigte, dass die Sorge wirklich momentan den Schnabelwalen gilt und glücklicherweise nicht allen Walen. Schnabelwale waren in einem Bogen am Strand verteilt, der den Übungsstrukturen der Schiffe folgte. Wir fanden auch einen Fleckendelfin, der ungefähr zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der Insel strandete. Dieser Delfin war sehr krank und hatte lange Zeit nichts gefuttert. Es schien eine zufällige Strandung gewesen zu sein. Deswegen spreche ich von Kontrollfall. Die Schnabelwale hingegen waren alle gesund, bis auf die Verletzungen, die sie sich durch das Stranden zuzogen. Der wahre Grund für den Tod der Tiere war Wärmestau – ernsthafte Überhitzung – weil sie auf dem Stand feststeckten. Es sind große Tiere. Ihnen wurde heiß; sie kollabierten; und sie starben. Eine weitere Sache, die eine rote Flagge aufleuchten ließ, war, dass es bei Schnabelwalen nicht oft Massenstrandungen gibt.” Mittelfrequenz-Sonar in Zusammenhang mit Strandungen ist nicht spezifisch für die U.S. Marine. Andere Schiffe weltweit nutzen Sonar. Das ist ein Grund warum Ketten nicht überzeugt davon ist, dass das Sonargeräusch alleine der Übeltäter ist, sondern etwas viel Komplexeres dahinter steckt. Die Schiffsrouten der Nördlichen Halbkugel sind voll von durchgängigen Geräuschen aufgrund von Schiffsverkehr, Freizeit, Baumaßnahmen und dem Militär. Ironischerweise (wegen dem Fokus der Medien auf das Sonar der U.S. Marine) machen Militäraktionen gemäß einem Bericht der „National Academy of Sciences” nur 5 Prozent der gesamten Meeresgeräusche aus. Außerdem stellen Massenstrandungen ein historisch bekanntes Phänomen dar. Ketten merkte an: „In den meisten Jahren stranden 4.000 Meerestiere an den U.S. Küsten. Strandungen können ein Naturphänomen sein, das durch zahlreiche Zustände hervorgerufen wird wie Gifte (z. B. Algenblüten), Krankheiten und Stürme. Der Grund warum wir wissen, dass Strandungen nicht immer durch den Menschen verursacht werden, liegt darin, dass es jahrhundertealte Aufzeichnungen gibt. In Neuengland gehen sie zurück bis in die Zeit der Puritaner; nur damals wurde es nicht als „schrecklicher und unglücklicher Umstand” abgetan. Es nannte sich ein „Festmahl”. Das zeigt unseren kulturellen Wandel im Verhalten. Wale sterben schon seit langer Zeit ohne Eingriffe des Menschen. Nun hören wir jedes Mal wenn ein Wal strandet die Frage „War es wegen Sonar?” Manchmal ist der Wal einfach alt und krank.”
© Foto: D. Ketten/WHOI Ketten zufolge bringen Sonargeräusche die Wale nicht um. Leider veröffentlichen manche Gruppen immer noch Pressemitteilungen zum Gegenteiligen, obwohl diese Ideen durch Untersuchungsfakten bereits als fehlerhaft belegt wurden. Viele Leute, insbesondere innerhalb der Wissenschaft, glauben, dass Ungenauigkeiten und Fehlinterpretationen immer noch unterstützt werden, weil die Öffentlichkeit Skandale liebt. Ketten unterstreicht diese Stimmung: „Die Presse tut dies mehr und mehr. Es ist sehr schwierig die wahre, aber langweilige Story beizubringen. Wenn man sagt ‚Die Marine bringt Wale um’ bekommt man mehr Aufmerksamkeit, als wenn man sagt ‚7 der 14 Tiere starben bei einer Strandung auf den Bahamas. Die Marine war in der Nähe. Zunächst wurde überlegt, ob die Sonargeräusche einen direkten Einfluss hatten, aber dies wurde nun als falsch erwiesen. Wir kennen derzeit noch nicht die Antwort.’ Und das ist die Wahrheit. Zum Teil wird diese Sonar-Angelegenheit immer noch weiter geschleppt, weil viele Forschungen nicht durchgeführt werden. Mittel werden stattdessen verwendet, um sich mit Rechtstreitigkeiten und den Medien auseinander zu setzen und um sich Feuerstürmen von öffentlicher Empörung zu widmen, die durch die Medien hervorgerufen werden.” Im Gegensatz zu einigen öffentlichen Presseberichten, sind Sonarauswirkungen und verwandte Strandungen für das Überleben der Wale unwesentlich, insbesondere bei den Schnabelwalen. Tatsächlich sind in den letzten 50 Jahren weniger als 300 Tiere im Zusammenhang mit Marineaktivitäten (U.S. oder andere) gestrandet. Obwohl nur eine geringe Anzahl beeinflusst wird, findet Ketten es trotzdem wichtig, den Grund für Strandungen im Zusammenhang mit Sonar herauszufinden. Sie findet auch, dass man diese Zahlen ins Verhältnis bringen muss: „Marinesonaraktivitäten wirken sich im Durchschnitt auf 6 Tiere pro Jahr aus. Dies steht über einen 10-Jahreszeitraum im Vergleich zu hunderttausenden von Tieren, die in U.S. Küstengewässern in Netzen gefangen und von Booten getroffen werden. Weltweite Tode von Delfinen und Walen durch Fang – also die aus Versehen gefangen werden – betragen schätzungsweise zwischen 100.000 und 400.000 pro Jahr. Menschliche Auswirkungen sind ernst und stellen ein globales Problem dar. Wir tragen eine Verantwortung, dieses Sonarproblem zu verstehen und ich hoffe, dass wir bald ein paar klare Antworten haben. Wenn wir jedoch wirklich hunderttausende Wale retten wollen, dann sollten wir uns auch anschauen wie Wale wirklich sterben.”
© Foto: D. Ketten/WHOI Ketten zufolge ist es wichtig was ein Wal hört, insbesondere da nicht alle Wale dasselbe hören. Zudem ist es wichtig, jegliche Art von Störungen, ob Geräusche oder andere Dinge, in Gebieten zu unterlassen, in denen kritische Aktivitäten wie Brüten vor sich gehen. An anderen Orten mögen menschlich induzierte Geräusche keine Konsequenzen haben. Die Forscherin führt aus: „Wir haben viele mögliche Auswirkungen; aber bis wir sie uns anschauen oder besser, sie uns durch das Gehör eines Wales anhören, wissen wir nicht, ob wir einen Einfluss darauf haben. Und dies ist vielleicht ein Konzept, dass es gilt an die Öffentlichkeit zu kommunizieren: Man kann sich das nicht einfachmit einem menschlichen Gehör ansehen. Was uns stört mag vielleicht für einen Wal komplett irrelevant sein bzw. für sein Gehör völlig unexistent. Vielleicht hören sie es nicht einmal. Es gibt keinen einzigen Geräuschpegel, der allen Ohren passt. Es ist alles unterschiedlich und diese Unterschiede lassen einen über die Welt dieses Tieres etwas erfahren. Die Strukturen von Wal- und Delfinohren unterscheiden sich von unseren in einer Art, die riesige Unterschiede bei dem verursachen, was sie hören können. Hinzu kommt, dass unter Walen und Delfinen jede Spezies eine andere Kapazität aufweist. Walspezies unterscheiden sich in der Länge, angefangen von einem Meter bis zu 30 Metern. Was ein winziger Schweinswal (der kleinste der Gruppe) hört und was der Blauwal (der größte der Gruppe) hört, liegt akustisch gesehen meilenweit auseinander.
© Foto: D. Ketten/WHOI Wir denken oft über die Wahrnehmung anderer Tiere im Vergleich zum Menschen nach. Jedoch ist die Wahrnehmung oder der Sinn anderer Spezies besser als unserer. Zum Beispiel hören Große Tümmler (Delfinart) extrem gut bei Frequenzen, die weit unter denen liegen, die wir mit unseren Ohren wahrnehmen können; und sie nutzten Sonar schon lange bevor wir das taten. Wer weiß also was da draußen los ist? Es gibt eine ganze Welt, die empfindbar ist; aber wenn wir sie nicht wahrnehmen können, wissen wir nicht einmal, dass sie existiert. Daher ist das Studium der Sinne anderer Tiere so ein Privileg – wir dürfen in die Welt einblicken, sehen wie sie sehen, hören, riechen, berühren und sogar schmecken. Daher können wir die Wale auch nicht vor unseren Geräuschen schützen, bis wir lernen „zu sehen” was sie hören.” Die U.S. Marine und SonarKonteradmiral (im Ruhestand) Richard PittengerSpez. Assistent für Strategische Planung „Woods Hole Oceanographic Institution Directorate” „In Bezug auf das Massenstrandungsereignis auf den Bahamas war es ohne Zweifel Ursache und Wirkung – Marine und Wale. Jedoch denke ich, dass es absolut falsch ist, dass die Marine diese Tiere physisch verletzt hat, weil sie einfach nicht nah genug waren. Sonar ist leistungsstark, aber ein menschlicher Taucher kann hin schwimmen und seine Hand auf die Sonarkuppel legen; und es tut seinen Augen oder Ohren keinen Abbruch. Ich habe große und kleine Wale auf der Bugwelle der Sonarkuppel schwimmen sehen, sogar als es aktiv war. Sie lieben das. Also ist die Auffassung, nach der manche Umweltgruppen versuchen zu beweisen, dass Sonar die Trommelfelle der Wale oder ihre Gehirnmembrane zerstört oder sie in Panik versetzt und sie dann an die Oberfläche kommen und dann einen Luftembolus bekommen, völlig fehlerhaft und nicht wissenschaftlich belegt. Diese Gruppen sind extrem und versuchen eine falsche Nachricht zu überbringen. Die Marine hat ihre Verwicklung in den Vorfall auf den Bahamas zugegeben, aber das macht sie nicht für andere untypische Strandungen schuldig. Derzeit wird alles immer auf Sonar geschoben, wenn ein weiteres Tier strandet. Zudem gab es in Kalifornien noch überhaupt keine Massenstrandung, obwohl dort viele Marinesonaraktivitäten stattfinden. Tatsächlich haben die gesamte Ostküste, der Golf von Mexiko und die Westküste noch keine untypischen Massenstrandungen miterlebt, die mit Sonar in Verbindung standen. „Die Welt ist sehr komplex. Die Leute glauben zuerst Prominenten ohne jegliche Glaubwürdigkeit auf das Thema bezogen, anstatt dass sie Wissenschaftlern wie Darlene Ketten vertrauen. In Bezug auf das Sonarthema ist die öffentliche Meinung so stark gegen die Marine, dass jeder, der mit uns sympathisiert, als gegen die Wale eingestuft wird. Es gab in diesem Land eine Zeit zu der man aufstehen und die Wahrheit erzählen konnte, ohne Angst auf Vergeltung. Doch das ist nicht mehr so. Heutzutage ist das ein heißes Eisen. Über die Zeit hinweg wurden die versehentlichen Fänge von Tieren (das Meerestierschutzgesetz wurde daraufhin erlassen) durch Gespräche über Sonarauswirkungen auf die Tiere verschluckt. Meine Analogie zu diesem Thema ist folgende: Wenn Sie mit Ihrem Wagen über eine Wiese fahren und am Waldesrand zwei Hirsche stehen, die sie im Vorbeifahren anschauen, dann ist das dasselbe wie wenn Wale das Sonar hören. Manche Gruppen tun es so ab, als ob Sonar eine exorbitante Anzahl an Meerestieren um ihr Gehör bringt und dass sie deswegen aufhören zu brüten. Wenn das stimmte, gäbe es keine Wale mehr, insbesondere da Sonar schon seit 50 Jahren eingesetzt wird.” Konteradmiral Larry RiceVorsitzender, „Environmental Readiness Division” Funktion des Leiters der Marineoperationen, U.S. Marine „Die U.S. Marine ist der größte Investor in Meerestier- und Geräuschforschung mit $100 Millionen in den letzten 5 Jahren. Diese Nachforschungen sind glaubwürdig und objektiv, weil weltweit respektierte Meerestierorganisationen wie die „Woods Hole Oceanographic Institution”, das Scripps Institut, die Universities of California und die University of Hawaii mitmachen. Leider lassen sich Menschen in der Sonarangelegenheit von Emotionen und nicht von Fakten leiten. Wir haben viele Nachforschungen in vielen verschiedenen Gebieten durchgeführt und haben interessante Daten gesammelt. Zum Beispiel haben wir durch die mehrere Millionen Dollar teuere Studie zu Verhaltensweisen Informationen über Schnabelwale und ihre Reaktion auf laute Geräusche erhalten. Der Grund warum ich „laute Geräusche” sage anstelle von „Sonar” liegt darin, dass wir 2007 ein sonarähnliches Geräusch im Wasser verursacht haben, auf das die Schnabelwale reagierten. Sie verlangsamten ihr Auftauchen und schwammen fort. Dann testeten wir das Geräusch eines Orca-Wals oder Killerwals; die Schnabelwale reagierten genauso. 2008 hielten wir ein pseudo-zufälliges Signal ins Wasser, das von einem alten Modem stammte, und die Schnabelwale reagierten fast genauso wie bei den Orca- und Sonargeräuschen. Dies zeigt, dass sie auf die Geräusche im Wasser reagieren – nicht unbedingt auf Sonar. Ich glaube es existiert eine Auffassung, dass die Marine machen kann was sie will und wo sie will und im Zweifel eine Trumpfkarte spielen kann, die mit nationaler Sicherheit zu tun hat, um ordnungsgemäßes Handeln und Umweltbewusstsein zu vermeiden. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Der Job eines N45 (umweltbewusste Marine) beinhaltet die Sicherstellung, dass die Flotten stets ökologisch vorbereitet sind, egal wo sie operieren – moralisch, ethisch und gesetzeskonform. Unsere Matrosen stellen die Gesellschaft dar; sie sind großartige Amerikaner, die sehr umweltbewusst sind. Außerdem herrscht in der Marine eine ausgeprägte Umweltethik. Auf jedem Schiff gibt es das Verständnis, dass wir unser zweites Zuhause pflegen müssen. Eines der Dinge auf das ich mich als befehlshabender Offizier eines Flugzeugträgers jeden Tag freute, war es, zum Morgengrauen aufzustehen, auf die Brücke zu gehen und zu sehen was da draußen war. Wir würden routinemäßig Delfine und Wale sehen und große Hammerhaie. Es ist einfach großartig da draußen! Wenn man in einem Haufen von 200 Delfinen, die aus dem Wasser springen und auf der Bugwelle schwimmen, umherwässert, ist das einfach unglaublich! Jeder muss wissen, dass nationale Sicherheit die Nummer 1 Priorität der Marine ist. Jedoch haben wir unsere Fähigkeit bewiesen, die Umwelt zu pflegen während wir die Primärmission erfüllen. Unsere Matrosen werden geschult, beides zugleich zu verrichten. Ich habe nie eine Zeit erlebt, in der sich nationaler Sicherheitsaspekt und Umweltschutz gegenseitig ausschlossen. Ich würde zustimmen, dass dies in der Vergangenheit nicht unbedingt der Fall war. Amerikaner sorgten sich allgemein nicht so sehr um die Umwelt oder wussten einfach nicht so viel wie wir jetzt wissen.” Vizeadmiral Sam LocklearKommandant der 3. Flotte, U.S. Marine „Für mich geht es wirklich darum, wie man unsere sehr ernsthafte Sorge um den Schutz der Meerestiere oder jeden Aspekt von Umwelteingriffen der Marine ausgleicht, während wir unsere Übungen und Missionen ausüben. Nicht nur spezielle Gruppen haben ein Interesse daran, „grün” zu sein. Ich würde gerne jeden in diesem Land dazu einladen, an Bord zu kommen und diese Amerikaner und ihre Führung kennen zu lernen, die sehr umweltbewusst sind – die sich sehr um alles sorgen, von der Wasserqualität zur Luftqualität und zum Überleben von Meerestieren, etc. Sie werden strahlende junge Matrosen sehen, die mehr über Wale wissen – wie sie aussehen, ihre Wanderwege, wie man sie ausfindig macht bzw. sie umgeht – als, ich würde behaupten, jeder andere im Land. Warum ist aktives Sonar heutzutage wichtig? Es geht wirklich um Technologie und darüber, wie andere Länder in Technologie investieren – insbesondere diesel-elektrische Unterseeboote. Für einige Jahre hatten wir die Möglichkeit jegliche U-Boote über passives Sonar zu orten und unsere Missionen auszuführen. Doch durch schnelle Fortschritte in der Technologie, können diese U-Boote nicht länger ohne die Nutzung von Mittelfrequenz-Sonar aufgespürt werden. Was ist das Problem dabei, dass andere Leute Diesel-U-Boote verwenden? Nun ja, der einzige Grund, warum man heutzutage diese U-Boote hat lautet Zugangskontrolle. Solange die Menschen dies zum Schutz ihres eigenen Zuhauses, ihrer eigenen Häfen und den Zugängen zu den Häfen tun, gibt es hier wahrscheinlich kein Problem. Doch wenn sie diese Diesel-U-Boote dazu nutzen, um den Rest der Welt in ihrer Freiheit zu navigieren beschränken, die Freiheit des globalen Wirtschaftstroms beeinflussen und die U-Boote nutzen, um kritische Meereskommunikationswege zu kontrollieren, dann werden diese Waffen zu etwas, über das jeder Amerikaner besorgt sein sollte. Heute gibt es weltweit ungefähr 380 U-Boote. 300 von ihnen sind Diesel-U-Boote. Unter den 41 Ländern, die sie besitzen, befinden sich u. a. Nordkorea, China und der Iran. Da es zu meiner Aufgabe als Flottenkommandeur gehört, zur Aufgabe meiner Einsatztruppenleiter und zu den Aufgaben der Leute, die die Schiffe kommandieren, ist es wichtig, dass wir die richtige Balance suchen, die es uns erlaubt, unsere Mission zu beenden und sicherzustellen, dass die Umwelt ordnungsgemäß geschützt wird. Warum ist das für uns wichtig? Erstens, wir wollen bei unserer Mission nicht versagen. Und zweitens möchte ich allen in die Augen schauen können, insbesondere den Familien dieser 19 bis 25-jährigen Matrosen, und sagen, dass wir ihre Partner, Eltern, Söhne und Töchter sicher zu ihrer Mission und auch wieder zurück begleiten können. In der heutigen Umwelt kann ein dieselelektrisches U-Boot (wenn nicht ordnungsgemäß geführt) eine beachtliche Bedrohung für ihr Leben sein. Im Falle einer Träger-Einsatztruppe könnten es 7.000 Leute sein. Daher ist es für die Absprache, die ich mit den Matrosen vor dem Einsatz habe, wichtig, dass jeder das Gefühl hat, dass seine Sicherheit garantiert ist. Wir haben kürzlich hier im südlichen Kalifornien unser „Environmental Impact Statement (EIS)” abgegeben; es dauerte einige Jahre, um es zu beenden. Und bis wir an drei Küsten damit fertig sind, werden wir mehr als $100 Millionen ausgegeben haben, um uns die Umwelt aus allen möglichen Blickwinkeln anzusehen: wie wir in diesen sensiblen Gewässern operieren, wie wir unser Umweltbewusstsein managen und wie wir den Ausgleich schaffen.” Vizeadmiral Mike LooseStellvertretender Leiter der Marineoperationen für Fleet Readiness & Logistics, U.S. Marine „Die Marine ist sehr stolz auf ihr Erbe, wenn es um die Verteidigung Amerikas und den Schutz der Umwelt und der Meerestiere geht. Wir geben eine beträchtliche Menge Geld, Ressourcen und Zeit für das Ziel aus, alles zu machen, um unsere Übungen effektiv durchzuführen und jegliche Auswirkungen, die wir auf Meerestiere haben könnten, zu minimieren und zu reduzieren. Die See ist unser Zuhause. Und als Allerletztes wollen wir dort Schaden anrichten, wo wir zuhause sind. Wir teilen unser Zuhause mit den Meeresbewohnern. Wissenschaft ist etwas, was wir aggressiv verfolgen, um unsere Auswirkungen komplett einzuschätzen und um die Umwelt der Meerestiere zu verbessern. Und wir wollen das kollaborativ erreichen – um das, was wir wissen, mit anderen zu teilen und hoffentlich, dass andere dies auch mit uns teilen. Zusammen können wir die Forschung um ein Vielfaches schneller vorantreiben und können dieses Wissen nutzen, um unsere Umwelt und das Meeresleben zu verbessern. Wir müssen einfach nur zusammen arbeiten.” |
|
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus einer Reihe von Interviews, die im August 2008 an der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) zusammen mit Darlene Ketten, Ph.D., und Konteradmiral (im Ruhestand) Dick Pittenger begannen. Die Diskussionen endeten im Februar 2009 inklusive diverser Perspektiven der U.S. Marine dank Konteradmiral Larry Rice, Vizeadmiral Sam Locklear und Vizeadmiral Mike Loose. Alle zusammen agierten zunehmend charmant und aufschlussreich, während sie einen 360°-Blick über die Sonar-Kontroverse darboten. Der Artikel ist aus Platzgründen sehr kurz zusammengefasst. Original- Abschriften werden vollständig innerhalb einer Serie zu „Ausgezeichneten Sprechern über Sonar” auf www.centerforabetterlife.com vorhanden sein, sowie auch in einer elektronischen Version in den nächsten Monaten. Für mehr Informationen über die U.S. Marine, die Ozeane und Sonar, gehen Sie bitte auf www.navy.mil/oceans. Wir begrüßen Ihre Kommentare und Ihre Kritik. Bitte teilen Sie uns mit, was Sie über diesen Artikel denken. |
